Gesualdo: Responsoria, Caravaggio

CARLO GESUALDO DI VENOSA: RESPONSORIA

"Tenebrae factae sunt" - Dunkelheit kommt über die Welt, als Jesus am Kreuz für die Menschen stirbt. Doch obwohl er weiß, dass er von Gott gesandt wurde, um die Menschheit zu erlösen, dass er auferstehen und zu seinem Vater zurückkehren wird - Gesualdos Jesus stirbt nicht in Frieden. Mehrmals hat er seinem Verräter gedroht - "besser wäre für ihn, er wäre nicht geboren!", hat Gott angerufen und um Gnade gefleht, hat nicht verstanden, warum Gott den Barrabas verschont und ihn, seinen Sohn, am Kreuz sterben lässt. Er zweifelt: "Oh Gott, warum hast du mich verlassen?" Selbst nach seinem Tod erhebt sich seine Stimme im Zorn: "Sie warfen mich in die unterste Grube, in Finsternisse und Schatten des Todes."

Mit dem Tod am Kreuz enden die irdischen Leiden Christi und tiefe Trauer kommt über die Menschen. Die Klage über den Verlust prägt von hier an den musikalischen Charakter der Komposition. War vorher noch der theatralische und ausladende Gestus des Werkes bestimmend, der die dramatischen Ereignisse rund um Verrat und Kreuzigung in krassen Dissonanzen und lautmalerischen Effekten beschrieb, so findet im Folgenden die Betroffenheit und Scham um Jesu Tod in einem zurückgenommenen Tonsatz ihren Ausdruck, der jedoch mit der Verwendung von für die Zeit völlig neuartigen harmonischen Strukturen ungeahnte Farben und Texturen zum Vorschein kommen lässt. Teils vorwurfsvoll, teils lethargisch wird die Musik seines Todes gewahr.

Malte Puls

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